Olympische Spiele Paris 2024

Testspielsieg gegen Olympia-Favorit Frankreich: Deutsche Handball-Männer bereit für Paris 2024

Von Andreas Kloo
5 min|
Germany vs. France Handball

Foto von Getty images

Mit einem starken Auftritt gegen den amtierenden Olympiasieger und Europameister Frankreich hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft viel Selbstvertrauen für die Olympischen Spiele Paris 2024 getankt.

Das DHB-Team schlug die Mannschaft um Nikola Karabatic beim Testspiel in der Dortmunder Westfalenhalle mit 35:30 (19:15) und schürte damit Medaillenhoffnungen für die in zwei Wochen beginnenden Spiele.

„Das gibt uns ein gutes Gefühl, dass sich die Arbeit im Trainingslager gelohnt hat“, ordnete Kreisläufer Johannes Golla den Sieg in der „ARD“ ein.

Superstar Karabatic wurde vor seinem finalen Höhepunkt bei den Olympischen Spielen in seinem Heimatland offiziell vom DHB und den deutschen Fans verabschiedet. Zwischen 2005 und 2009 hatte er in Deutschland beim THW Kiel gespielt.

Nach dem Anwurf aber war es mit den Geschenken vorbei. Deutschland startete schwungvoll in die Partie, das Trainingslager in Hennef machte sich bezahlt.

Juri Knorr führte Regie, die Magdeburger Flügelzange Lukas Mertens und Tim Hornke traf. Im Tor zeigte Andreas Wolff mehrfach seine Klasse.

Deutschland zog fast schon mühelos auf 9:6 davon. Nun schaltete sich auch der bei der Olympia-Qualifikation so starke Renars Uscins ins Spiel ein, er erhöhte auf 10:6, Kreisläufer Jannik Kohlbacher ließ zwei Treffer folgen.

Bei Frankreich dagegen machte sich das Fehlen des am Daumen verletzten Dika Mem bemerkbar, aus dem Rückraum waren die Gäste in der ersten Hälfte nicht allzu gefährlich.

Beim Stand von 12:8 kam nach 16 Minuten das Riesentalent Marko Grgic in die Partie. Die Nominierung des 20-Jährigen aus Eisenach für den Olympia-Kader durch Bundestrainer Alfred Gislason hatte für Aufsehen gesorgt.

Mit einem Pass auf Mertens ließ er sogleich sein Können aufblitzen: 13:9 für Deutschland.

Gislason wechselte weiter durch, der deutsche Schwung ließ nach und Frankreich kam auf 14:15 heran.

Aber kurz vor der Pause riss Franz Semper mit einer Fackel aus dem rechten Rückraum zum 17:14 die Fans noch einmal von den Sitzen. Grgic (Siebenmeter) und Semper legten weitere Tore nach. Mit 19:15 ging es in die Pause.

Fans und Pfosten helfen mit

Auch in der zweiten Halbzeit spielte Deutschland weiterhin auf hohem Niveau, allerdings stand bei Frankreich nun Remi Desbonnet im Tor, der es den DHB-Männern schwerer machte.

Die Gäste kamen nun an ihr tatsächliches Leistungsvermögen heran, bei 24:23 stand die Partie auf des Messers Schneide.

Nun kamen die Fans ins Spiel, die das deutsche Team antrieben. Es half. Franz Semper versenkte zum 25:23, Julian Köster tankte sich zum 26:23 durch. Hinten hielt der für Wolff eingewechselte David Späth und vorne ließ Grgic sein erstes Tor aus dem Spiel heraus folgen.

Der Youngster drehte weiter auf, spielte Johannes Golla am Kreis zum 28:25 frei.

„Weiter so!“ lautete die Ansage in der letzten Auszeit vor der Crunch-Time. Tatsächlich ließ das DHB-Team nicht nach. Nun klappte auch das 7 vs. 6-Spiel, zudem verhinderte das Pfostenglück mehrere französische Treffer. Julian Köster setzte in der letzten Minute mit dem 35:30 den Schlusspunkt.

Ein prestigeträchtiger Sieg, der Medaillenträume weckte: „Das Halbfinale ist drin. Wenn wir nicht zu sehr abfallen, dann können wir auch gegen die guten Gegner mithalten und uns den Olympia-Traum erfüllen“, analysierte Golla.

Die deutschen Männer starten am 27. Juli gegen Schweden (19 Uhr) ins olympische Turnier. Weitere Vorrundengegner sind Japan, Kroatien, Spanien und Slowenien.

Zuvor gibt es in Stuttgart (19 und 21. Juli) noch Testspiele gegen Ungarn und Japan.

Deutschland - Frankreich 35:30 (19:15)

Tore für Deutschland: Semper 6, Hornke 5/3, Golla 4, Grgic 4/1, Kohlbacher 4, Witzke 3, Uscins 3, Mertens 3, Fischer 1, Knorr 1, Köster 1.

Deutsche Frauen unterliegen Brasilien

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft offenbarte beim Testspiel-Doppelack in Dortmund zwölf Tage vor ihrer Auftaktpartie in Paris noch Probleme.

Gegen Brasilien unterlag das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch mit 31:36 (17:20).

Hauptdefizit war über weite Strecken die fehlende Aggressivität in den Zweikämpfen, die Gegnerinnen kamen im Angriff oftmals zu leicht durch. „Wir stehen da wie angenagelt!“, schimpfte Gaugisch in der ersten Auszeit deshalb nach 15 Minuten.

Zu diesem Zeitpunkt lag die DHB-Mannschaft bereits mit 8:12 gegen die Panamerika-Meisterinnen, die bei Olympia in der Parallelgruppe vertreten sein werden, in Rückstand.

Aber auch im Angriffsspiel unterliefen dem deutschen Team technische Fehler und einfache Ballverluste.

So war der 17:20-Halbzeitstand aus deutscher Sicht verdient.

Nach der Pause stand der Defensivverbund zwar stabiler, aber vorne ließen die deutschen Frauen gegen die starken brasilianischen Torhüterinnen Gabriela Moreschi und Renata Arruda zu viele Chancen liegen.

So vergrößerte sich der Rückstand sogar noch auf zwischenzeitlich sechs Treffer Unterschied (22:28).

In den letzten zehn Minuten erhöhte das DHB-Team den Druck, die 20-jährige Viola Leuchter – der Lichtblick auf deutscher Seite - traf vorne zweimal aus dem Rückraum binnen weniger Minuten, Torhüterin Katharina Filter hielt einen Siebenmeter.

Aber mehr war gegen die Brasilianerinnen an diesem Tag nicht mehr drin.

Am Ende hieß es 31:36 aus deutscher Sicht.

Vor dem Olympia-Auftakt am 25. Juli (16 Uhr) in Paris gegen Südkorea hat die deutsche Mannschaft in zwei weiteren Partien die Möglichkeit, an der Form zu arbeiten.

Am 19. und 21. Juli treffen die DHB-Frauen in Stuttgart auf Ungarn und Brasilien.

Deutschland - Brasilien 31:36 (17:20)

Tore für Deutschland: Grijseels 7/2, Döll 5, Leuchter 4, Antl 3, Maidhof 3/3,, Smits 2, Bölk 2, Behrend 2, Lott 1, Behnke 1, Stockschläder 1.

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