#StrongerTogether Von der Rollschuhbahn in Ocala zur internationalen Eisfläche: Wie das Eisschnelllauf-Trio vom Team USA von den Inline-Wurzeln zu olympischen Höhen aufstieg

Erfahren Sie hier, was es bedeutet, #StrongerTogether zu sein, und lesen Sie, wie sich die drei besten Eisschnellläufer der USA (Brittany Bowe, Joey Mantia und Erin Jackson) schon in jungen Jahren mit einer lokalen Rollschuhtrainerin im abgelegenen Ocala, Florida, zusammentaten - und schließlich den Gipfel des olympischen Ruhms erreicht haben.

Von Jonah Fontela
Foto von 2022 Getty Images

Beim ersten Blick auf das Eisschnelllauf-Team der USA für die Olympischen Winterspiele in Peking offenbart sich ein kleines Geheimnis.

Nicht nur, dass drei Eiskunstläufer aus dem warmen Florida kommen - jeder von ihnen eine feste Goldhoffnung -, sie stammen auch alle aus der kleinen Stadt Ocala, die zwischen Orlando und Jacksonville liegt, wo man Eis sonst nur in den Getränken findet.

"Ich vermute, dass das Wasser dort unten einfach etwas Besonderes ist", sagte die siebenfache Eisschnelllauf-Weltmeisterin Brittany Bowe, die im Herzen immer noch ein "Florida Girl" ist, obwohl sie den Sunshine State gegen gegen die Kälte der Berge von Salt Lake City getauscht hat, im Gespräch mit Olympics.com.

Bowe, die 33-jährige siebenfache Weltmeisterin und Weltrekordhalterin über 1000m, ist auf dem Weg zu ihren dritten Spielen. Das Gleiche gilt für Joey Mantia, 35, der auf seiner Lieblingsstrecke, den 1500m, seine erste Medaille gewinnen möchte. Erin Jackson, 29, Rekordhalterin der USA über 500m, ist ebenfalls eine Anwärterin auf olympisches Gold in Peking (ihre zweite Teilnahme an den Spielen).

Eine begeisterte Trainerin und Rollschuhbahnen: Die Geheimwaffen von Ocala

Wie schafft es diese kleine Stadt im äußersten Süden der Vereinigten Staaten mit ihrem subtropischen Klima, drei der schnellsten Läufer der Welt auf ihren jeweiligen Strecken hervorzubringen? Es ist eine Stadt, wohlgemerkt, ohne Eislaufbahn.

Die Antwort, egal aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet, beginnt mit Renee Hildebrand.

"Meine Mutter traf in einem Schnellrestaurant in der Stadt [Ocala] eine Frau, und es stellte sich heraus, dass sie eine weltbekannte Trainerin für Inline-Speedskating war", erzählt Erin Jackson, eine selbsternannte ehemalige "Rollschuhbahn-Ratte", die sich als Kind gerne auf den beiden Rollschuhbahnen von Ocala aufhielt, über den Moment, als sich ihr ein gut getarnter Weg zu den Olympischen Spielen eröffnete.

"Meine Mutter sagte: 'Oh, ich habe eine Tochter, die gerne skatet', und sie sagte ihr, sie solle mich zum Training auf die Rollschuhbahn bringen, und von da an ging es los", fügte Jackson hinzu, die später 47-fache Inline-Landesmeisterin und Silbermedaillengewinnerin bei den Pan-Am Games wurde.

Diese Frau war Hildebrand, eine der weltweit besten Trainerinnen im Inline-Speedskating. Mit ihrem scharfen Blick für Geschwindigkeit und Potenzial, körperliche Form und Chancen hatte sie in den frühen 1990er Jahren immer ein Auge auf die Bahnen in Ocala. Und sie half dabei, alle drei aus Ocala stammenden und in Peking antretenden Athleten - Mantia, Bowe und Jackson - zu Champions in der Nischensportart Inline-Speedskating zu machen.

Renee Hildebrand und Erin Jackson (Foto mit freundlicher Genehmigung von Renee Hildebrand)

"Ich war auf einer Geburtstagsparty auf der örtlichen Rollschuhbahn, und sie sah mich einfach herumlaufen", fügte Bowe, die schnellste Frau der Welt über 1000m, über ihre erste Begegnung mit Hildebrand hinzu, die sie als "die beste Inline-Skating-Trainerin" der Welt bezeichnet. "Sie lud mich zu einem Training ein, und damit fing alles an."

Hildebrand, die aus Florida stammt und von Beruf Physiotherapeutin ist, spricht schnell, und dabei sprudelt ihre Leidenschaft für den Rollschuhsport nur so aus ihr heraus.

Sie erinnert sich an etwas Besonderes, als sie die achtjährige Bowe zum ersten Mal auf ihren Plastikrollschuhen sah. "Sie hatten kleine Ein-Runden-Rennen, und ich erinnere mich, dass sie wie eine Rakete losfuhr", sagt Hildebrand, die frühere Trainerin der niederländischen und belgischen Inline-Speedskating-Nationalmannschaft, die "auf einer Rollschuhbahn aufwuchs" und in ihrer Blütezeit den neuartigen Sport des Roller-Derbys auf Quad-Skates (vier Räder an jedem Skate) betrieb.

"Die Kurven fielen ihr nicht einfach, aber sie hatte eine solche Intensität und einen solchen Elan", fügte Hildebrand über den Rohdiamanten hinzu, den sie in Bowe sah.

Mantias Anfang

Mantia, das dritte Mitglied des Trios aus Ocala, der als Medaillenfavorit über die 1500m nach Peking reist, wurde in einer Turnhalle entdeckt.

"Er war mit meiner Tochter in einem Turnteam, und mir gefiel, was ich sah, als ich ihn mit dem Trainer arbeiten sah", sagte Hildebrand über ihre erste Begegnung mit dem möglichen zweifachen Olympioniken Mantia, der vor kurzem als ältester Mann ein 1500-m-Weltcuprennen gewann.

"Ich habe damals nichts gesagt, aber in der nächsten Woche sah ich ihn auf der Rollschuhbahn und sagte: 'Oh ja, das ist der kleine Kerl, der das Seil hochgeklettert ist', und da wusste ich schon, wie stark er ist", sagte sie.

Aber all das war nur Potenzial. Hilldebrand entdeckte fast jeden Tag Kinder mit Potenzial. Was danach kam, und das wichtigste Element, war der Fleiß. Und Hildebrand war nicht lasch. Sie war eine strenge Trainerin, die viel von ihren jungen Skatern erwartete.

"Ich weiß nicht, wann ich das erste Mal dachte, dass ich es zu den Olympischen Spielen schaffen könnte", gab Mantia zu. "Es war meine Trainerin [Hildebrand], die mir sagte, dass ich eine Chance hatte, lange bevor ich überhaupt daran dachte."

"Sie war sehr fordernd. Sie wollte unbedingt gewinnen", sagte Bowe, die vor ihrer Karriere als Eisschnelllauf-Weltmeisterin eine Top-Basketballspielerin im College war. "Sie holte das Beste aus uns heraus und erwartete nichts anderes als das Beste - einer unserer Slogans, schon als wir klein waren, lautete 'Übung macht nicht perfekt, perfekte Übung macht perfekt'."

"Ich bin ihr für immer dankbar", so Bowe über ihre erste Trainerin, die sie sogar zu den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City mitnahm, als sie 13 Jahre alt war, um ihre floridianische Kollegin und einstige Inline-Championesse Jennifer Rodriguez und den US-Helden Apolo Ohno zu sehen, der sein Gold über 1500m gewann. "Sie hat mir diese Erwartungen schon in so jungen Jahren eingeflößt."

"Wenn man so etwas findet, ist das selten - es ist wie ein Juwel", sagte Hildebrand, die alle drei Läufer aus Ocala, die in Peking an den Start gehen sollen, an die Spitze des Inline-Speedskating brachte, bevor sie auf das Eis wechselten. "Man möchte sie wirklich beschützen und sie in diesem Sport heranwachsen lassen."

Auf Wiedersehen Räder; Hallo Eis

Hildebrand kann ihre Inliner nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen. Trotz des Slogans, den sie seit 1980 hat: "Roller Skating, Next Stop: The Olympics" (Rollschuhlaufen, nächster Stopp: Olympia), bleibt Eisschnelllauf die einzige olympische Möglichkeit für die talentiertesten - und ehrgeizigsten - Inlineskater. Wenn ihre Skater olympische Ambitionen haben, müssen sie irgendwann von sich aus auf das Eis wechseln.

Das ist nie einfach. "Ich habe mich noch nie in meinem Leben so eingeschüchtert gefühlt", sagt Bowe über ihre erste Zeit auf dem Eis. "Es war ein beängstigender Moment für mich."

Auch für Hildebrand, die noch nie in ihrem Leben auf Eis gelaufen ist, ist es nicht leicht. Sie muss sich verabschieden und hoffen, dass sie ihre Skater, die sie aus der Umgebung von Ocala ausgesucht hat, gut auf eine Zukunft vorbereitet hat, in der die Möglichkeit von großem Ruhm und vernichtender Niederlage hinter jeder Ecke lauert.

Für die Trainerin ist es eine bittersüße Sache.

"Ich stehe ihnen nahe, weil sie alle wie eine Familie sind - und wir haben schon so lange eine Beziehung zu ihnen, und sie sind einfach wunderbare Menschen geworden", sagte Hildebrand, ein Beweis für den oft verborgenen Rückenwind, der Sportler zu ihren olympischen Höhen führen kann. "Aber was die Olympischen Spiele angeht, werde ich nur als Zuschauerin dabei sein."

Eisschnellläufer Joey Mantia vom Team USA
Foto von Getty Images

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