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Über 600 Athletinnen und Athleten aus 87 Ländern sind beim Schieß-Weltcup in München an den Start gegangen. Es war die letzte Chance sich für Paris 2024 anzubieten. Besonders freuen dürfen sich die deutschen Luftgewehr-Spezialisten Anna Janßen und Maximilian Ulbrich.
Die Weltrangliste mit Stichtag 9. Juni entscheidet über die jeweils letzten Olympia-Tickets pro Disziplin. Daher waren alle acht Weltranglistenersten der in München geschossenen Disziplinen vor Ort. Neben der deutschen Weltranglistenersten Anna Janßen waren 27 weitere Gewehr- und Pistolenschützen für den Deutschen Schützenbund Teil des Weltcups, und damit das zweitgrößte Team nach Indien (29).
Im Schießsport wurden während des Verlauf des Weltcups schon sieben Schützinnen und Schützen offiziell für die olympischen Bewerbe in Chateauroux nominiert. Darunter Christian Reitz, Olympiasieger in Rio 2016 mit der Schnellfeuerpistole, und Doreen Vennekamp, Weltmeisterin mit der Sportpistole.
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Bei den nächsten Nominierungsrunden am 25. Juni, 2. und 5. Juli sind noch weitere Paris-Tickets im Schießsport zu erwarten. Inklusive im Bogenschießen stehen dem deutschen Verband aktuell 16 Quotenplätze zur Verfügung.
Und um die wurde in München (teils) geschossen. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern konnten im Luftgewehr Janßen und Europameister Maximilian Ulbrich Quotenplätze ergattern, die ihnen selbst jedoch nicht sicher waren.
Maxi Ulbrich hat die interne Qualifikation gegen seinen Konkurrenten Maximilian Dallinger gewonnen und darf sich auf seinen ersten Olympiastart freuen. Der 23-Jährige siegte im direkten Vergleich bei allen vier Wettkämpfen gegen Dallinger.
Die Anspannung war jedoch bis zur letzten Minute präsent, da das Ergebnis von München 40 Prozent der Wertung ausmachte.
„Der zusätzliche Druck, der zu dem normalen Weltcupschießen — daheim in München — dazu kam war, ich würde jetzt nicht sagen ‘unaushaltbar’, aber schon nah an der Grenze.”
„Also mir ist es wirklich nicht gut gegangen. Eigentlich habe ich mich relativ gut regulieren können am Vorabend, es ging so. Die Nacht war dann nicht so ruhig,” erzählte uns der Schütze im exklusiven Interview mit Olympics.com. Hunger auf Frühstück hatte Ulbrich auch keinen erinnert er sich lachend.
Normal ist dieser erbitterte Kampf bis zur Deadline (9. Juni) eigentlich nicht: „Bis jetzt war die Ausgangslage nie so, dass wir quasi nur einen Quotenplatz bei den Männern hatten.”
Für Tokio konnte sich niemand qualifizieren, und in Rio wurden die vollen vier Quotenplätze ausgeschöpft. Dieses Mal lief es anders.
„Also wir waren zwei Männer, die da darum gekämpft haben, ich und Maximilian Dallinger. Wir sind sehr gute Freunde und Trainingskollegen hier auf der Anlage. Und bedingt durch den einen Quotenplatz, dass man das typische eins gegen eins hat, muss man sich gegenseitig quasi eliminieren.”
„Wir haben uns bis zum Ende immer sehr, sehr gut verstanden. Also das hat unser Verhältnis jetzt nie irgendwie schlechter gemacht, dass wir uns gegenseitig eliminieren müssen. Dafür bin ich tatsächlich sehr dankbar, weil das hätte auch anders ausgehen können.”
Am Ende belegte Ulbrich Platz 21, Dallinger wurde 41.
Auch die Mixed-Partnerin von Ulbrich, Anna Janßen, war mit ihrem Ergebnis von 628,0 Ringen und einem 53. Platz nicht ganz zufrieden. Dennoch reichte der 22-Jährigen dies, um sich gegen Lisa Müller durchzusetzen.
„Die Erleichterung ist sehr groß. Nach der ersten Serie dachte ich, das läuft ganz gut. Dann kam die zweite Serie, und der Puls ging nochmals gut hoch,” erklärte die Schützin dem DSB.
„Die Olympia-Teilnahme bedeutet mir wirklich viel, es ist irgendwie ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht.“
Im internen KK-Ranking führte sie vor dem Weltcup in München ebenfalls vor Jolyn Beer und Müller und schnitt beim Münchner Weltcup nach 60 Schuss am besten ab (Janßen (591, 12. Platz), Beer (591, 15. Platz) und Müller (585, 47. Platz)).
Das sollte für Beer auch einen Olympiastart bedeuten, einfach war es jedoch emotional nicht: „Ich bin nur erleichtert, dass es vorbei ist. Es ist nicht einfach, Wochen und Monate die Qualifikation zu machen. Wenn man treffen muss, um seinen Platz zu kriegen und wenn es gegen Leute geht, die du magst. Lisa und ich haben gestern festgestellt, dass wir Zehnjähriges haben. Es ist krass und super belastend,” fasste Beer den Wettkampf gegenüber dem DSB zusammen.
Da Janßen für beide Gewehr-Disziplinen zur Nominierung vorgeschlagen wird, wird wohl Beer für den Dreistellungskampf und Müller für Luftgewehr in Betracht gezogen. Wenn der DOSB diesem Vorschlag zustimmt, steigt das deutsche Kontingent auf 17 Teilnehmende in Paris.
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Für den Mixed-Wettbewerb, der bei Tokio 2020 eingeführt wurde, können sich die Teams nur über die Einzelplätze qualifizieren. Das ist Janßen und Ulbrich nun geglückt.
„Sie ist dieses Jahr Europameisterin, wir sind im Mixed Europameister, ich wurde letztes Jahr Europameister. Wir sind ein sehr, sehr starkes Team und verstehen uns sehr, sehr gut, und harmonieren auch beim Wettkampf gut miteinander,” sagte Ulbrich.
Nach der abgefallenen Last von beiden durch die sichere interne Qualifikation konnten sie getrost den Teambewerb angehen.
„Der Weltcup hier war für mich persönlich eigentlich ein guter Wettkampf, der war nachdem fix war, dass wir beide qualifiziert sind. Da hab’ ich einfach gesehen wie wir ohne Druck wieder befreiter schießen können.“
**Da die Nationalen Olympischen Komitees die ausschließliche Zuständigkeit für die Vertretung ihrer jeweiligen Länder bei den Olympischen Spielen haben, hängt die Teilnahme der Athletinnen und Athleten an den Pariser Spielen davon ab, dass ihr NOK sie als Vertretung ihrer Delegation für Paris 2024 auswählen.*
Für Janßen und Ulbrich werden es die ersten Olympischen Spiele sein. Der 25-Meter-Schnellfeuerpistolenschütze Christian Reitz hingegen reist in Paris für seine fünften Spiele an.
„Ich bin nicht wirklich ein Talent gewesen am Anfang. Also ich musste mir wirklich vieles am Anfang sehr hart erarbeiten. Deswegen hat auch vielleicht im Vergleich zu anderen Sportlern das bei mir auch relativ lange gedauert, bis ich mal wirklich voll mit dabei sein konnte,” gab Reitz beim exklusiven Interview mit dem Olympic Channel zu.
Doch irgendwann ist der Knoten geplatzt. Bei den Olympischen Spielen 2008 gewann er die Bronzemedaille. Im Jahr 2016 krönte er sich zum Olympiasieger, außerdem ist Reitz der Weltrekordhalter in seiner Disziplin.
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