Olympische Spiele Paris 2024

Rückkehrer Franz Wagner führt DBB-Team zur Revanche gegen Frankreich - Erster Testspiel-Sieg auf dem Weg zu Paris 2024

Von Fabian Breuer
6 min|
Franz Wagner Germany

Foto von Getty Images

Langsam aber sicher nimmt die unmittelbare Vorbereitungsphase der deutschen Basketball-Profis auf die Olympischen Spielen 2024 Fahrt auf.

Die DBB-Auswahl der Frauen absolvierte ihre ersten beiden Testspiele am vergangenen Wochenende. Die von Cheftrainerin Lisa Thomaidis vorbereitete Mannschaft war nach Helsinki gereist, absolviert dort zwei Partien gegen Finnland.

Eine Partie hinter verschlossenen Türen – nur das Ergebnis, ein 98:70 zugunsten Deutschlands wurde veröffentlicht – und das Rematch am Sonntag. Auch dieses Spiel gewann das Team, das in drei Wochen bei Paris 2024 antreten wird. Mit 91:90 (21:18, 22:22, 18:16, 15:20, 15:14) nach Overtime bewies Deutschland einmal mehr, dass sich diese Auswahl, die erste Olympia-Teilnahme einer deutschen Frauen-Basketballnationalmannschaft der Geschichte, redlich verdient hat. Luisa Geiselsöder führte die Auswahl mit 28 Punkten, 12 Rebounds und 6 Assists an.

Rematch nach Niederlage am Samstag

Noch sieglos waren die männlichen Kollegen in ihrer – zugegeben kurzen und anspruchsvollen – Vorbereitung auf Olympia. Am Samstag war der Weltmeister von 2023 mit einer großen Aufgabe gestartet. In Köln empfing das Team vor 18.000 Zuschauern den Olympia-Gastgeber Frankreich. Gegen eines der Teams, das man dann auch bei den Spielen wiedertreffen wird, gab es eine 66:90-Niederlage. Besonders weil Victor Wembanyama brillierte:

Dazu muss eingeordnet werden: Deutschland hatte auf die drei NBA-Stars Moritz Wagner, Franz Wagner und Daniel Theis verzichten. Grund für das Fehlen dieser drei Stützen des Teams: Ihr Status als NBA-Free Agents.

Am Montagabend bot sich die Chance zur direkten Revanche, denn Frankreich empfing Deutschland in Montpellier zum nächsten Testspiel. Diesmal waren die Wagner-Brüder, frisch mit neuen Verträgen bei den Orlando Magic ausgestattet, mit von der Partie. Die Revanche gelang, Deutschland siegte mit 70:65 (11:19, 28:20, 20:14, 11:12).

Im folgenden Abschnitt finden Sie den Spielbericht von Frankreich - Deutschland

1. Viertel: 11:19

Deutschland begann das Spiel mit einer Starting Five bestehend aus Kapitän Dennis Schröder, Andreas Obst und Johannes Voigtmann, Franz Wagner und Moritz Wagner.

Frankreich startete mit Rudy Gobert, Bilal Coulibaly, Matthew Strazel, Isaia Cordinier und Nicolas Batum. Hingegen verzichtete man auf den Helden des ersten Spiels, Victor Wembanyama, der am Montag gar nicht erst zum Kader zählte.

Dem deutschen Team, bei dem nur Daniel Theis (Vertrag bei New Orleans Pelicans noch nicht unterschrieben) und Johannes Thiemann (verletzt) fehlten, merkte man sofort die Rückkehr des Brüderpaars an. Beide waren sofort präsent, besonders die defensive Physis von Mo Wagner tat dem Spiel in der Anfangsphase gut. Für die ersten Punkte braucht es allerdings zwei Freiwürfe von Dennis Schröder. Generell lagen die Probleme in der Anfangsphase eher im offensiven Bereich, weshalb die Frankreich nach fünf Minuten mit 8:2 führten.

Nach dem zugelassenen Treffer von der Dreierlinie nahm Bundestrainer Gordon Herbert nach dem 2:12 aus deutscher Sicht die erste Auszeit. Mit etwas Anlaufzeit von Erfolg gekrönt, denn Maodo Lo und Nick Weiler-Babb verkürzten zwischenzeitlich auf 8:12. Doch der Gastgeber agierte deutlich stärker unter den Körben (14:6 Rebounds) und konnte sich so bis zur Viertelpause eine 19:11-Führung herausspielen.

2. Viertel: 39:39 (28:20)

Zum Start des zweiten Abschnitts meldete sich Franz Wagner an. Nach feinem Abschluss am Ring, verpasste er es allerdings die deutsche Mannschaft mit Freiwürfen und einem Dreier, die er jeweils verwarf, noch näher heranzubringen. Dennoch, die ersten sieben Punkte der deutschen Mannschaft, gingen auf das Konto des jüngeren Wagner-Bruders – 18:26.

Eine kleine Initialzündung für den Weltmeister, der offensiv nun deutlich mehr Rhythmus bewies. Doch weil Frankreich weiter stark reboundete und besonders Evan Fournier treffsicher war (bereits zehn Punkte nach 15 Minuten), blieb es bis zur Viertelhälfte bei acht Punkten Differenz – 25:33.

Johannes Voigtmanns Dreier und zwei starke Aktionen Dennis Schröder brachten weitere Zähler auf das Scoreboard – 33:39. Noch etwa eine Minuten war in diesem Viertel zu spielen und Deutschland schaffte tatsächlich noch den Ausgleich! Zwei weitere Punkte von Schröder und deren vier Zähler von Franz Wagner veredelten ein starkes Viertel der deutschen Mannschaft – zum ersten Mal gewann Deutschland einen Abschnitt gegen die Franzosen in der aktuellen Testspiel-Phase!

3. Viertel: 59:53 (20:14)

Die erste Führung in knapp eineinhalb Spielen sollte alsbald folgen. Gleich nach der Pause gelangen Franz Wagner die ersten Punkte in der zweiten Halbzeit – 41:39. Deutschland spielte zeitweise feinen Teambasketball und die Rückkehr von Franz Wagner erwies sich als zusätzlicher Glücksfall - 17 Punkte bei 70 Prozent Trefferquote nach 23 Minuten waren sein vorläufiges Zeugnis – 47:44.

Bei Frankreich wehrte sich in dieser Phase insbesondere Bilal Coulibaly (elf Punkte), doch Schröder war in WM-Form, erwies sich als starker Regisseur, der sehenswerte Assists spielte – etwa bei Voigtmanns Treffer zum 49:47 – oder selbst punktete - wie beim Dreier zum 55:50.

Insgesamt spielte das deutsche Team deutlich physischer, glich das Rebound-Duell (nur noch 31:27 zugunsten Frankreichs) beinahe aus und verdiente sich so die Führung nach dem dritten Viertel.

4. Viertel: 70:65 (11:12)

Frankreich hatte auch zu Beginn des letzten Viertels weiterhin Probleme, einfache Punkte gegen die starke deutsche Korbverteidigung zu erzielen. So baute Maodo Lo die Führung mit fünf Punkten in Folge noch einmal aus – 64:56.

Doch Frankreich gab nicht auf und kam dank starker Dreierquote in dieser Phase (drei von sieben – 42,9 %) noch einmal auf zwei Punkte heran. Fünf Minuten waren zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen. Maodo Lo brachte Deutschland mit seinem dritten Treffer in diesem Viertel wieder auf fünf Punkte weg. Evan Fourniers Versuch der schnellen Antwort prallte auf den Ring, Dennis Schröder wurde geblockt, in den nächsten Possessions fielen keine weiteren Punkte.

Nicolas Batum beendete die trefferlose Zeit genau zwei Minuten vor Schluss – 67:65. So ging es in die absolute Crunchtime**. Moritz Wagner** konnte nur einen seiner zwei Freiwürfe verwandeln. Weil Mathais Lessort auf der Gegenseite beide Versuche von der Freiwurflinie ausließ, blieb es eine Minute vor Ende der Partie beim Dreipunkte-Abstand. Mo Wagners Versuch diese Führung auszubauen, endete mit einem Offensivfoul. Im Gegenzug war es erneut Fourniers Versuch, der auf den Ring prallte. Dann sorgte Dennis Schröder für die Erlösung, 15 Sekunden vor Schluss besorgte er per Einzelaktion das erlösende 70:65 und so feiert Deutschland den ersten Sieg in der Olympia-Vorbereitung!

Boxscore:

*Erklärung: Gesamt (Punkte/Rebounds/Assists)

Deutschland: Dennis Schröder (17/1/4), Franz Wagner (17/3/1), Maodo Lo (16/1/-)

Frankreich: Nicolas Batum (11/2/-), Bilal Coulibaly (11/3/- ), Evan Fournier (10/3/3)

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