Die Olympischen Spielen 2024 rücken immer näher. Unzählige Individualsportlerinnen und Sportler sind bereits in Paris angekommen oder befinden Sie auf dem Weg dorthin. Zugleich bestreiten zahlreiche Mannschaften ihre letzten Testspiele vor Paris. Darunter auch einige deutsche Teams. Die beiden Basketball-Teams (zuletzt äußerst erfolgreich) und die deutschen Handballerinnen und Handballer (hier finden Sie Spielberichte und Wissenswertes) schöpfen mit ihren Resultaten in der Vorbereitung Hoffnung für sportlichen Erfolg während Paris 2024.
Am Sonntag waren dann die deutschen Volleyballer an der Reihe. In Saarbrücken empfing die DVV-Auswahl der Herren Gegner Brasilien zur großen Olympia-Generalprobe. Live im TV und im Stream der sportschau wurde die Partie übertragen (hier finden Sie die Partie im Re-Live).
Im Volleyball hatte sich lediglich die Männer-Nationalmannschaft qualifiziert. Ein Riesen-Erfolg für die vergleichsweise kleine Volleyball-Nation Deutschland, deren Auswahl es bei der letzten Olympia-Teilnahme der Herren, bei London 2012, auf einen starken fünften Rang geschafft hatte. Dementsprechend groß war das Interesse am letzten Test. Die Fans in der ausverkauften Halle und Zuschauer waren gespannt, wie sich Deutschland gegen einen der elf weiteren Paris 2024-Teilnehmer schlagen würde.
Gegen Brasilien, dreifacher Olympiasieger (zuletzt 2016) ging Deutschland als leichter Außenseiter in die Partie. Am Ende verlor die DVV-Auswahl, insbesondere der starke Auftritt in der zweiten Spielhälfte machte trotz der 1:3-Niederlage (18:25, 22:25, 25:20, ) sehr viel Mut. Die DVV-Auswahl scheint für das große Highlight, die Olympischen Spielen 2024 gerüstet.
Deutschland begann mit Moritz Reichert, Ruben Schott, Anton Brehme, Georg Grozer, Libero Julian Zenger und Kapitän Lukas Kampa in der Startaufstellung
Der wohl bekannteste Spieler des Teams, Georg Grozer, sorgte dann auch schon früh Jubel."Hammerschorsch" brachte einen Aufschlag mit derart viel Power und Präzision, dass die Brasilianer ihn nur unzulänglich abwehren konnten - 3:1 für Deutschland. Doch die Brasilianer wehrten sich, Grozers nächster Punkt sorgte für das zwischenzeitliche 5:5, in der Folge setzte sich das südamerikanische Topteam zunächst auf 9:6 ab.
Deutschland fehlte es in dieser Phase etwas an Präzision bei den Aufschlägen (einige gingen deutlich ins Aus), Brasilien bestach hingegen durch starke Blocks, zugleich umspielten sie die deutsche Netzabwehr sehr clever - 8:16 aus deutscher Sicht.
Zwei geduldige deutsche Angriffe, vollendet von Ruben Schott und Moritz Reichert, die die Brasilianer jeweils zu zwei unpräzisen Blocks zwangen, die danach ins Aus flogen, sorgten für zwei wichtige Punkte. Zweitgenannter bewies bei seinem präzisen Netzleger Auge - nur noch 16:20.
Doch Brasilien kam gut zurück und brachte den ersten Satz ins Ziel. Bis eine Mannschaft 25 Punkte erzielt hat, läuft ein Satz (außer ein Team führt nur mit einem Punkt - dann wird solange gespielt, bis ein Team zwei Punkte Vorsprung hat). Letztgenanntes war nicht nötig, denn Brasilien war in dieser Phase einen Tick zu stark und gewann den Satz mit 25:18.
Der zweite Abschnitt begann sehr ausgeglichen. Kein Team konnte sich zunächst entscheidend absetzen, nach dem deutschen Ausgleich zum 5:5, erzielte zunächst der Gast zwei weitere Punkte. Dann war erneut "Grozer-Time", einer seiner berühmten Hammerschläge sorgte für den neuerlichen Anschluss.
Stark in der Partie war auch der zwischenzeitlich eingewechselte Johannes Tille. Der Aufschlag-Spezialist ist einer der Spieler, die man bei Paris 2024 besonders im Blick haben sollte.
Ein perfekt gesetzter Aufschlag sorgte für den neunten deutschen Punkts des Satzes - 9:10. Moritz Reichert glich zum 12:12 aus, kurz danach ging Deutschland gar in Führung - 15:14.
Beide Mannschaften zeigten jetzt was ihn ihnen steckt. Das Spiel bestach durch tolle Kombinationen, präzise Schläge und spektakuläre Blocks - kurz gesagt extremes Tempo und unbändige Kraft - genau die Attribute, die diese faszinierende Sportart ausmachen - 18:18.
Wie schon im ersten Abschnitt erwischte Brasilien den besseren Start in die entscheidende Phase des Satzes, plötzlich führten sie 23:19. Doch Deutschland gab sich nicht auf, kämpfe noch einmal zurück. Ein starker Schlag von Grozer ins Zentrum des Spielfelds, wo die Brasiianer in dem Moment nicht gut gestaffelt waren - nur noch 22:24. Doch den zweiten Satzball verwandelte der Favorit, der bis hierhin den entscheidenden Tick stärker waren.
Deutschland startete gut. Tobias Brand, Moritz Reichert und Moritz Karlitzek bescherten Deutschland eine 3:1-Führung. Die gezeigten Ansätze aus dem zweiten Satz - besonders im Spiel über die Mitte - verhalfen dem Team, die Anfangsphase zu bestimmen. So drang Deutschland als Erstes in den zweistelligen Punktebereich vor - 10:6. Julian Zengers toller Block ermöglichte Tobias Brand am Ende des Ballwechsels den nächsten Zähler.
Deutschland spielte sich jetzt in einen kleinen Lauf - 17:10 - der erste Satzgewinn schien zum Greifen nah. Die angesprochene Mitte um Tobias Krick war nun merklich besser im Spiel, der 27-Jährige erhöhte die Führung. Brasilien aber gab sich nicht auf, der starke Darlan Ferreira brachte sein Team wieder auf fünf Punkte heran.
Ein spektakulärer Schlag von Moritz Karlitzek beendet den gegnerischen Lauf. Das war wichtig, denn Brasilien zeigte erneut eine starke Satz-Schlussphase. Diesmal hielt das deutsche Team aber umso besser dagegen und erspielte sich nach dem 24:19 fünf Satzbälle. Moritz Reichert verwandelte den zweiten Versuch - der Anschluss für die DVV-Auswahl.
Mit dem Deutsch-Brasilianer Lukas Bergmann auf dem Feld wollte der Favorit im vierten Satz zurückschlagen. Doch Deutschland blieb mindestens ebenbürtig - 4:4 nach wenigen Minuten. Es wurde jetzt richtig umkämpft, der Gastgeber spielte es weiterhin konsequent über die Mitte, der brasilianische Libero Thales Hoss griff zur spektakulären Rettungsaktion, bei der er auf der Reservebank landete, den Ball aber im Spiel hielt.
Brasilien erspielte sich mit einem platzierten Schlag in die hintere rechte Ecke des Spielfelds den Punkt zum 13:11, Moritz Karlitzek sorgte dafür, dass Deutschland dran blieb. Kurz nach dem 12:15 aus deutscher Sicht griff Trainer Michal Winiarski noch einmal zur Auszeit, um sein Team an die Konzentration und Fehlervermeidung im Angriff zu erinnern.
Coaching mit positiver Wirkung, Lukas Maase und ein etwas kurioser brasilianischer Schlag ins eigene Feld sorgte dafür, dass es eng blieb - nur noch 16:17. Doch am Ende wurde der Favorit seiner Rolle doch noch gerecht, ein Block von Lucas Saatkamp brachte schließlich die Entscheidung, die Brasilien gewannen Satz vier mit 25:21.
(Aus der Übertragung der ARD)
Moritz Reichert, DVV-Auswahl: "Am Ende haben einzelne schwächere Phasen den Unterschied ausgemacht. Zu Beginn haben wir nicht gut genug aufgeschlagen, im letzten Satz haben wir im Angriffsspiel zwei, drei individuelle Fehler zu viel gemacht. Dennoch war es ein guter Test, wir wissen woran wir bis Olympia arbeiten müssen. Allerdings ist unser erster Gegner Japan, ein Teams mit ganz anderen Stärken, da müssen wir auch anders spielen.
Lukas Bergmann, Brasilien: "Es gibt keine schlechten Teams im Volleyball. Das hat man auch heute gesehen, Deutschland war speziell in den letzten beiden Sätzen sehr stark und hat gefightet. Wir haben unser Spiel aber durchgezogen und uns so belohnt. Nun ist es unser Ziel, eine Medaille bei Olympia zu holen.
Nach der Generalprobe in Saarbrücken geht es für das deutsche Team nun bei Paris 2024 weiter. Die DVV-Auswahl startet am Samstag (27.Juli) in die Gruppenphase. Auftaktgegner ist Japan. Die Partie startet bereits ab 09:00 Uhr, das ZDF übertragt live im TV und im Stream (hier zu finden).
Danach geht es gegen die USA (30. Juli) und Argentininen (2. August). Sollte die DVV-Auswahl in die nächste Runde einziehen, würde es am 5. August mit dem Viertelfinale weitergehen.
Related content