Neun der unvergesslichsten Momente bei den Olympischen Spielen Tokio 2020

Von historischen Premieren bis hin zu Momenten gemeinsamen Schmerzes und gemeinsamer Freude - Tokio 2020 waren unvergessliche Olympische Spiele

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Mit dem Erlöschen des olympischen Feuers bei der Abschlussfeier am Sonntagabend sind die Olympischen Spiele Tokio 2020 offiziell zu Ende gegangen.

Und was für Spiele das waren!

So viele unglaubliche Beispiele von Mut und Können, von Sportlichkeit und Emotionen, die das neue olympische Motto widerspiegeln: "Schneller, Höher, Stärker - Gemeinsam."

Hier sind einige der besten Momente von Tokio 2020.

Simone Biles' Rücktritt vom Wettkampf und ihre Rückkehr zum Gewinn der Bronzemedaille

Eines der wichtigsten "Gesichter" des Turnwettbewerbs in Tokio 2020 - und wohl auch der Spiele selbst - war Simone Biles, die höchstdekorierte amerikanische Turnerin aller Zeiten.

Die 24-Jährige zog sich jedoch nach dem ersten Gerät aus dem Mannschaftsfinale zurück und erklärte später, dass sie keine Medaille für das Team riskieren wollte (die USA gewannen später die Silbermedaille in diesem Wettbewerb).

Daraufhin verzichtete sie auf drei der vier Gerätefinals, um sich auf ihre mentale Gesundheit zu konzentrieren; ihre Entscheidung wurde von Fans und Athleten (auch in Tokio) aus aller Welt mit großem Beifall aufgenommen.

In einer großartigen Demonstration mentaler Stärke und Courage kehrte Biles jedoch in den Wettkampf zurück, um am Schwebebalkenfinale teilzunehmen und eine Bronzemedaille zu gewinnen - ihre siebte olympische Medaille in ihrer Karriere.

"Die Bronzemedaille bedeutet mir mehr als all die Goldmedaillen, denn ich habe in den letzten fünf Jahren und in der letzten Woche, als ich hier war, so viel durchgemacht; es war einfach sehr emotional", sagte sie in der NBC_TODAY Show_.

"Und ich bin einfach stolz auf mich und auch auf all diese Mädchen."

"Am Ende des Tages sind wir nicht nur Unterhaltung. Wir sind auch Menschen. Wir haben Dinge, die hinter den Kulissen ablaufen... Ich musste einen Schritt zurücktreten und mich auf mich selbst konzentrieren."

Simone Biles 
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Elaine Thompson-Herah schreibt olympische Geschichte

Vor Tokio 2020 hatte noch nie eine Frau die Titel über 100m und 200m erfolgreich verteidigt.

Doch Elaine Thompson-Herah ist keine gewöhnliche Athletin.

Die jamaikanische Sprinterin holte am 31. Juli erstmals Gold über 100m in einer blitzschnellen Zeit von 10,61 Sekunden und brach damit den 33 Jahre alten olympischen Rekord der amerikanischen Ikone Florence Griffith Joyner (10,62), den sie 1988 in Seoul aufstellte. Diese Zeit brachte sie auch auf den zweiten Platz der historischen Weltrangliste hinter Griffith Joyner.

Elaine Thompson-Herah
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Drei Tage später setzte Thompson-Herah die Bahn des Olympiastadions erneut in Brand, als sie mit einer Zeit von 21,53 Sekunden zum 200-m-Titel stürmte - dieses Mal nur 0,19 Sekunden unter dem Weltrekord (und Olympiarekord) der legendären Griffith Joyner in Seoul.

Damit untermauerte Thompson-Herah ihren Status als unangefochtene Sprintkönigin, indem sie als erste Frau bei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen Doppel-Gold über 100m und 200m gewann.

"Es ist ein tolles Gefühl, wieder zwei Goldmedaillen zu gewinnen. Ich habe eine harte Woche hinter mir gehabt. Nach dem 100-Meter-Finale habe ich nicht geschlafen", sagte Thompson-Herah, nachdem sie auf dem Weg zum Sprint-Double sechs Runden gelaufen war.

"Ich musste mich wirklich anstrengen, um die 200m zu gewinnen. Es ist eine neue PB (persönliche Bestleistung) und ein nationaler Rekord. Ich bin so, so glücklich. Oh mein Gott, es ist unglaublich, dass ich diesen Tag je erlebt habe. Dass ich ein weiteres Double schaffen konnte. Ich kann es nicht glauben."

Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi teilen sich Gold im Hochsprung

In einem dramatischen Finale des olympischen Hochsprungwettbewerbs entschieden sich der Katarer Mutaz Barshim und der Italiener Gianmarco Tamberi dafür, sich die Goldmedaille zu teilen, anstatt sich weiter zu duellieren, um den Sieger des Wettbewerbs zu bestimmen.

Beide Athleten - ebenso wie der Belarusse Maksim Nedasekau - hatten zuvor 2,37m übersprungen, doch als die Latte anschließend auf den olympischen Rekord von 2,39m angehoben wurde, konnte keiner der drei Männer einen erfolgreichen Sprung absolvieren.

Anstatt sich auf ein Stechen einzulassen, fragte Barshim einen Kampfrichter: "Können wir zweimal Gold haben?". Der Kampfrichter stimmte zu, und Tamberi sprang vor Freude in die Arme von Barshim, als er erfuhr, dass er und sein guter Freund gemeinsam Weltmeister geworden waren (Nedasekau erhielt die Bronzemedaille, weil er mehr Fehlversuche hatte).

Italiens unglaubliche drei Goldmedaillen in der Leichtathletik

Man kann mit Sicherheit sagen, dass Italien unglaubliche Olympische Spiele Tokio 2020 erlebte und 40 Medaillen gewann (vier mehr als der bisherige Rekord in LA 1932 und Rom 1960) - darunter drei herausragende Goldmedaillen auf der Bahn im Olympiastadion.

Die erste dieser drei Goldmedaillen war, wie bereits erwähnt, Tamberis geteiltes Gold im Hochsprung. Kurze Zeit später schrieb Marcell Jacobs Geschichte, indem er sich nicht nur als erster italienischer Athlet für ein 100-m-Finale qualifizierte, sondern auch als Rrster Gold in dieser Disziplin gewann.

Eines der bleibenden Bilder dieser Spiele war der Anblick von Jacobs, der die Ziellinie in einer nationalen und europäischen Rekordzeit von 9,80 Sekunden überquerte und in die wartenden Arme von Tamberi lief, der selbst die Trikolore Italiens über seinen Schultern trug.

Jacobs and Tamberi
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Aber der Spaß - und die Geschichte - war für Italien noch nicht zu Ende.

Am Freitag, dem 6. August, schrieb die 4x100-m-Staffel der Herren erneut Geschichte, indem sie Italiens erstes Gold in dieser Disziplin gewann. Und was für ein Finish: Filippo Tortu legte im Schlusslauf den Sprint seines Lebens hin, um den Briten Nethaneel Mitchell-Blake zu schlagen und mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung Gold zu gewinnen.

Ein weiterer großer Moment bei diesen historischen Spielen für die Azzurri.

Italy relay
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Emma McKeon stellt den Rekord für die meisten Medaillen einer Frau bei einer einzigen Olympiade ein

Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki stellte Mariya Gorokhovskaya aus der ehemaligen Sowjetunion einen Rekord auf, indem sie sieben Medaillen im Gerätturnen gewann (darunter Gold im Team und im Mehrkampf). Gorochowskajas Medaillenausbeute war die größte einer Athletin bei den Olympischen Spielen in der Geschichte und hat auch heute noch, fast 60 Jahre später, Bestand.

Der einzige Unterschied ist, dass Goroschowskaja heute nicht mehr allein in den Rekordbüchern steht.

Emma McKeon erlebte in Tokio unvergessliche Spiele: Sie gewann Gold über 50m Freistil (und stellte dabei einen olympischen Rekord auf), 100m Freistil, in der 4x100-m-Freistil-Staffel und der 4x100-m-Lagen-Staffel. Dazu kamen drei Bronzemedaillen über 100m Schmetterling, in der 4x200-m-Freistil-Staffel und der 4x100-m-Lagen-Staffel.

Damit stellte McKeon den Rekord von Gorochowskaja ein, wurde zur erfolgreichsten australischen Olympionikin aller Zeiten und schrieb Geschichte, indem sie als erste Schwimmerin sieben Medaillen bei einer einzigen Olympiade holte und damit Michael Phelps, Mark Spitz und Matt Biondi als einzige Schwimmer mit sieben oder mehr Medaillen einholte.

Oh, und eines noch.

McKeons rekordverdächtige Medaillenausbeute brachte ihr auch den prestigeträchtigen Titel der höchstdekorierten Athletin bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ein.

Allyson Felix wird zur höchstdekorierten Leichtathletin der USA

Das Olympiastadion von Tokio war die Bühne, auf der in Tokio 2020 unzählige Momente olympischer Geschichte geschrieben worden sind, darunter die Krönung von Allyson Felix zur höchstdekorierten Leichtathletin in der olympischen Geschichte der USA.

Felix gewann ihre erste Medaille als 18-Jährige bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, als sie Silber über 200m gewann. 17 Jahre später war Felix in Japan wieder auf der Bahn, wo sie ihre zehnte (400m-Bronze) und elfte (4x400m-Staffel-Gold) Medaille holte und damit den legendären Carl Lewis als Amerikaner mit den meisten olympischen Leichtathletik-Medaillen überholte.

Allyson Felix
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Jessica Fox gewinnt endlich ihre Goldmedaille

Die Kanu-Legende Jessica Fox, die endlich die Goldmedaille gewann, die ihr so lange verwehrt geblieben war, steht sinnbildlich für die Geschichten so vieler Athleten in Tokio 2020, die nach Jahren des Kampfes, des Strebens und des quälend nahen Erreichens des Podests endlich eine Medaille gewannen. Der britische Turmspringer Tom Daley hatte 2012 in London und 2016 in Rio zwei Bronzemedaillen gewonnen, aber in Tokio 2020 holte er schließlich mit seinem Partner Matty Lee Gold im 10-m-Turm-Synchronspringen der Herren. Flora Duffy gewann Gold im Triathlon der Damen und bescherte Bermuda damit die erste olympische Goldmedaille seit 84 Jahren, während die Bronzemedaille von Hugues Zango im Dreisprung der Herren die erste olympische Medaille für Burkina Faso überhaupt war.

Jessica Fox
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Christine Sinclair gewann schließlich ihren ersten großen Titel, als Kanada die Goldmedaille im Fußballwettbewerb der Damen errang. Im Kanusport gewann Teresa Portela (ESP) bei ihren sechsten Olympischen Spielen ihre erste Medaille: Silber im Kanu-Rennsport der Damen. Und die zehnfache Weltmeisterin Fox, die nach dem erneuten Gewinn der Bronzemedaille im Kanu-Slalom vielleicht schon geglaubt hatte, dass eine Goldmedaille nicht mehr zu holen sei, stieß einen Triumphschrei aus, den viele Athleten sicher nachvollziehen konnten, als sie endlich ihr olympisches Gold im ersten C1 Kanu-Slalom der Damen gewann.

Nur der "fliegende Finne" Paavo Nurmi hat mit 12 Medaillen mehr olympische Medaillen in der Leichtathletik gewonnen, davon allerdings vier in den Langlaufdisziplinen.

Naomi Osaka zündet den olympischen Kessel an

Naomi Osaka lights Tokyo 2020 Olympic cauldron
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Das Entzünden des olympischen Kessels ist ein ikonischer Teil der Spiele, und Tokio 2020 war da keine Ausnahme.

Obwohl die Eröffnungsfeier in den Monaten vor den Spielen aufgrund der einjährigen Verzögerung von Tokio 2020 und der anschließenden Ankündigung, dass keine Zuschauer in den Austragungsorten zugelassen würden, drastisch geändert wurde, war der Moment, in dem Tennis-Superstar und japanische Heldin Naomi Osaka (die für die Normalisierung psychischer Probleme gelobt wurde) die olympische Flamme in Empfang nahm und den Kessel entzündete, ein historischer Moment; einer, der die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes im Angesicht von Widrigkeiten widerspiegelte.

Endlich waren die Olympischen Spiele Tokio 2020 offiziell eröffnet.

#StrongerTogether

Ein weiteres Markenzeichen der Olympischen Spiele der Neuzeit, unabhängig von der Austragung oder dem Jahr, sind die wunderbaren Beispiele für Sportlichkeit und Kameradschaft, die in den Vordergrund treten und Millionen auf der ganzen Welt inspirieren.

Es gab zahllose Beispiele für diese Ideale im Verlauf von Tokio 2020, aber hier sind vier, die besonders hervorstachen:

Der japanisch-amerikanische Surfer Kanoa Igarashi unterlag im Finale des Surfwettbewerbs der Herren dem Brasilianer Italo Ferreira, war aber so tapfer, seinem Gegner zu helfen, nachdem er die Goldmedaille verloren hatte. Ferreira lernt gerade Englisch, aber Igarashi beherrscht Portugiesisch und übersetzte zur Freude des Brasilianers eine Frage auf der Pressekonferenz.

Mitten im 800-Meter-Halbfinale der Herren verhedderten sich Nijel Amos aus Botswana und Isaiah Jewett aus den USA und stürzten zu Boden, so dass sie nicht mehr antreten konnten. Doch anstatt wütend aufeinander zu werden, halfen sich die Athleten gegenseitig auf, umarmten sich und liefen gemeinsam ins Ziel.

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Als Lotte Miller (NOR) die Ziellinie des Triathlons der Damen als 24. überquerte, setzte sie sich erwartungsgemäß zur Erholung hin. Aber als sie die belgische Athletin Claire Michel sah, die auf dem letzten Platz lag und versuchte, das Rennen mit einem Wadenkrampf zu beenden, "sank ihr das Herz", sagte sie gegenüber USA TODAY. Michel kam als Letzte ins Ziel, etwa 15 Minuten hinter der Siegerin Flora Duffy von den Bermudas - aber sie hatte es geschafft. Vierundfünfzig Athleten gingen an den Start, aber 20 wurden überrundet oder schieden aus. Als die Belgierin die Ziellinie überquerte und am Boden zerstört zusammenbrach, ging Miller sofort zu ihr und tröstete sie. "Es war ein Kampf, nur um zu den Olympischen Spielen zu kommen, und sie hat in den letzten Jahren so hart gekämpft, und wir haben es alle gemerkt. Jeder, der mit ihr zu tun hat und der den Sport kennt, weiß, was sie durchgemacht hat", sagte Miller. "Und auch die Tatsache, dass es beim olympischen Geist um Durchhaltevermögen in schwierigen Zeiten geht. Und auch die Tatsache, dass sie sich so sehr um andere kümmert. Du bist eine (Kraftausdruck) Kämpferin", sagte Miller zu Michel. "Das ist olympischer Geist, und den hast du zu 100%."

Als die südafrikanische Schwimmerin Tatjana Schoenmaker Gold über 200m Brust der Damen gewann und dabei auch noch einen Weltrekord aufstellte, konnte sie es kaum glauben. Doch schon bald schwammen ihre Mitschwimmerinnen und Konkurrentinnen Kaylene Corbett (RSA), Lilly King und Annie Lazor (die Silber- bzw. Bronzemedaillengewinnerinnen des Teams USA) zu ihr hinüber und gratulierten ihr, wobei sich alle vier Frauen im Wasser umarmten.

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