Olympische Spiele Paris 2024

IPC präsentiert das größte Refugee Paralympic Team aller Zeiten für Paris 2024

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Hadi Darvish

Foto von Vakho Tsatsalashvili

50 Tage vor Beginn der Paralympischen Spielen Paris 2024 hat das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am 9. Juli, die acht Athletinnen und Athleten sowie einen Guide-Runner bekannt gegeben, die zusammen das größte Refugee Paparalympic Team aller Zeiten bilden.

Die acht Athletinnen und Athleten repräsentieren die weltweit mehr als 120 Millionen vertriebene Menschen. Die Leistungssportlerinnen und -sportler leben in sechs verschiedenen Ländern und werden in sechs Sportarten antreten: Para Leichtathletik, Para Gewichtheben, Para Tischtennis, Para Taekwondo, Para Triathlon und Rollstuhlfechten.

Der Gewichtheber Hadi Darvish und der Tischtennisspieler Sayed Amir Hossein Pour haben in Deutschland, sowie Hadi Hassanzada (Para Taekwondo) in Österreich, ein sicheres Zuhause gefunden. Erfahren Sie mehr über die inspirierenden Lebensgeschichten der Mitglieder des Refugee Paralympic Teams und ihre bisherigen Erfolge.

Andrew Parsons, Präsident des IPC, sagte bei der Verkündung des Refugee Paralympic Teams: „Alle Paralympioniken verfügen über Geschichten mit unglaublicher Widerstandsfähigkeit, aber die Geschichten dieser Athlet*innen und ihre Reisen als Flüchtlinge, die Krieg und Verfolgung überlebt haben, um an den Paralympischen Spielen teilzunehmen, sind außergewöhnlich inspirierend.“

„Leider gibt es weltweit mehr als 120 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen. Viele leben unter katastrophalen Bedingungen. Diese Athletinnen und Athleten haben durchgehalten und eine unglaubliche Entschlossenheit gezeigt, nach Paris 2024 zu kommen und jedem Flüchtling auf der ganzen Welt Hoffnung zu geben. Das Refugee Paralympic Team stellt die transformative Wirkung des Sports ins Rampenlicht.“

Filippo Grandi, der Leiter des UNHCR, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen über das Refugee Paralympic Team: „Zum dritten Mal in Folge wird ein Team entschlossener, inspirierender Flüchtlingssportlerinnen und -sportler der Welt zeigen, was sie erreichen können, wenn sie eine Chance bekommen. Geflüchtete wachsen über sich hinaus, wenn sie die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten und Talente im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen einzusetzen, zu entwickeln und zu präsentieren.“

„Wir beim UNHCR sind dem IPC außerordentlich dankbar, dass es eine Schlüsselrolle in unserer wachsenden internationalen Partnerschaft spielt, um Sport zu Flüchtlingen zu bringen. Sport ist für ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden sowie für ihre Inklusion und Integration in die aufnehmenden Gemeinschaften von entscheidender Bedeutung.“

Refugee Paralympic Team für Paris 2024

Die Athletinnen und Athleten des Refugee Paralympic Teams für Paris 2024

Hadi Darvish (Para Gewichtheben)

Darvishs paralympischer Traum begann, nachdem er die Paralympischen Spiele London 2012 zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hatte. Als er nach Deutschland kam, verbrachte er zwei Jahre in einer Flüchtlingsunterkunft. Da er zunächst über kein Bankkonto verfügte, hatte er anfänglich Schwierigkeiten, einen Sportverein zu finden, in dem er trainieren konnte. Aber er blieb hartnäckig, um seine paralympischen Ambitionen zu verwirklichen. Mit Unterstützung des RPT gewann er beim Weltcup 2024 in Tiflis im Juni eine Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 80 kg der Männer.

Sayed Amir Hossein Pour (Para Tischtennis)

Seit seiner Ankunft in Deutschland lebt Pour in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften, weit weg von seiner Familie. Bei den Asian Youth Para Games 2021 in Bahrain gewann er zwei Goldmedaillen.

Hadi Hassanzada (Para Taekwondo)

Hassanzada wurde auf der Suche nach einem friedlichen Land mehrfach vertrieben und war unzähligen Gefahren ausgesetzt, bevor er schließlich in Österreich Sicherheit fand. Zu den größten Herausforderungen zählte unter anderem der Verlust seiner rechten Hand. Er sagte, dass der Sport ihm gezeigt habe, wie er Rückschläge in Chancen verwandeln kann.

Zakia Khudadadi (Para Taekwondo)

Khudadadi machte Schlagzeilen, als sie in Tokio 2020 antrat, nur wenige Tage nach ihrer Flucht aus ihrem Heimatland. Sie lebt jetzt in Paris, Frankreich, und gewann die Taekwondo-Europameisterschaft 2023 in der 47-kg-Gewichtsklasse. Sie widmete die Medaille allen Frauen in ihrem Heimatland.

Guillaume Junior Atangana (Para Leichtathletik)

Der sehbehinderte Sprinter wird mit seinem ebenfalls geflüchteten Guide Donard Ndim Nyamjua antreten. Atangana verfehlte bei den Paralympischen Spielen Tokio 2020 über 400 m (Klasse T11) knapp eine Medaille und belegte beim Grand Prix Para Athletics 2024 in Nottwil im Juni mit Unterstützung des RPT den ersten Platz über 400 m und den zweiten Platz im 100-m-Finale.

Ursprünglich strebte Atangana eine Karriere als Fußballspieler an, entschied sich aber für die Leichtathletik, nachdem er sein Augenlicht verloren hatte. Er lebt jetzt in Großbritannien und wird in Paris sowohl über 100 m als auch 400 m T11 antreten.

Ibrahim Al Hussein (Para Triathlon)

Ibrahim Al Hussein wird bei Paris 2024 bereits zum dritten Mal in die Folge als Refugee Paralympic Athlet an den Paralympischen Spiele teilnehmen. Zuvor im Para-Schwimmen aktiv, wird er nun beim Para-Triathlon in Paris antreten. Bei einer Explosion hatte er sein Bein verloren, als er versuchte, einen Freund zu retten. Bei der Eröffnungsfeier von Rio 2016 wurde ihm die Ehre zuteil, Fahnenträger des Refugee Paralympic Teams zu sein.

Salman Abbariki (Para Leichtathletik)

Abbarikis wird bei Paris 2024 zum zweiten Mal an den Paralympischen Spielen teilnehmen, zuvor war er bei London 2012 im Kugelstoßen angetreten. Bei den Asian Para Games 2010 gewann er Gold und brach den Asienrekord.

Amelio Castro Grueso (Rollstuhlfechten)

Nach dem Tod seiner Mutter im Alter von nur 16 Jahren erlebte Grueso vier Jahre später eine weitere Tragödie, als er nach einem Verkehrsunfall seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Während er sich im Krankenhaus erholte, versprach er sich selbst, ein Buch zu schreiben, um seine Geschichte zu erzählen. Ihm wurde klar, dass es mehr Menschen esen würden, wenn er ein Medaillengewinner wäre. Grueso, der jetzt in Italien lebt und vom RPT unterstützt wird, reiste im Mai dieses Jahres zur amerikanischen Meisterschaft im Rollstuhlfechten 2024 in Brasilien und gewann Bronze im Degen der Männer Kategorie B, einer seiner bisher größten sportlichen Erfolge.

Angeführt wird das Refugee Paralympic Team von Teamchef (Chef de Mission) Nyasha Mharakurwa, der Simbabwe bei den Paralympischen Spielen 2012 in London im Rollstuhltennis vertrat. Er war damit einer von nur zwei Athleten, die dort für sein Land antraten. Er arbeitet seit fünf Jahren direkt mit Mitgliedern zusammen, darunter auch mit internationalen Verbänden und Mitgliedern des IPC. Für ihn ist die Ernennung zum Chef de Mission für das Refugee Paralympic Team eine große Ehre.

„Das Refugee Paralympic Team trägt eine Vorbildfunktion für uns alle. Egal wie schwierig ihre Umstände sind, diese Athletinnen und Athleten haben einen Weg gefunden, sich auf dem höchsten Niveau im paralympischen Sport zu messen. Mit diesen acht Athletinnen und Athleten sowie einem Guide haben wir das stärkste und am besten vorbereitete Refugee Paralympic Team der Geschichte. Sie repräsentieren nicht nur die gewaltsam vertriebenen Menschen weltweit, sondern auch die 1,2 Milliarden Menschen mit Einschränkungen weltweit“, sagte Mharakurwa.

Das Refugee Paralympic Team wird unter der IPC-Flagge antreten und als erstes Team an der Eröffnungsfeier am 28. August teilnehmen, die auf den Champs-Élysées und auf dem Place de la Concorde stattfinden wird. Das IPC wählte die Mitglieder des Teams in Absprache mit den internationalen Verbänden nach mehreren Kriterien aus, darunter auch die sportliche Leistung. Es wurde außerdem der Flüchtlingsstatus der Athletinnen und Athleten, der von ihrem Gastland festgelegt wird, vom UN-Flüchtlingshilfswerk überprüft.

Das Refugee Paralympic Team von Paris 2024 wird unterstützt von den weltweiten Paralympics-Partnern Airbnb, Asics, UNHCR, dem französischen Ministerium für Sport und den Olympischen und Paralympischen Spielen, dem Organisationskomitee von Paris 2024 und CREPS de Reims. Das IPC bedankt sich bei allen für die Unterstützung des Teams.

Das Refugee Paralympic Team bestand in Rio 2016 aus zwei Athlet*innen und wuchs in Tokio auf sechs Mitglieder an.