Olympische Spiele Paris 2024

Fahnenträgerin bei Paris 2024: Anna-Maria Wagner kämpft mit neuer mentaler Stärke um Judo-Gold

Von Catiana Pscherer
4 min|
Anna-Maria Wagner of Germany at 2024 World Judo Championships on May 22, 2024 in Abu Dhabi

Foto von 2024 Getty Images

Anna-Maria Wagner wird zusammen mit Dennis Schröder die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Paris 2024 am Freitag, den 26. Juli tragen.

Das teilte der DOSB am Dienstag (23. Juli) mit.

Die Judoka siegte bei der gemeinsamen Abstimmung von Athletinnen und Athleten sowie der Fans mit addierten 80,01 Punkten vor Fußballspielerin Alexandra Popp (74,01) und Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl (45,98).

Wagner ist bei Paris 2024 eine der größten Titelanwärterinnen für Team Deutschland. Bei den Olympischen Spielen in Tokio hat die Judoka sowohl im Einzel als auch in der Teamwertung Bronze geholt. Doch den Kampf bis zu Paris 2024 konnte sie nicht mit Ippons gewinnen.

Der Anfang der Geschichte ist zum Verwechseln ähnlich, doch wird Anna-Maria Wagner das Ende für Paris 2024 neu schreiben können? Die Saison 2024 war bisher für die deutsche Judoka unglaublich erfolgreich: Gold beim Golden Slam in Paris. EM-Silber. WM-Gold im Golden Score.

Im Jahr 2021 gewann sie in der Gewichtsklasse bis 78 kg zum ersten Mal bei den Weltmeisterschaften bevor sie die Olympischen Spielen in Tokio mit zwei Bronzemedaillen (Einzel und Team) verließ, was passiert also diesmal nach dem WM-Titel 2024?

Anna-Maria Wagner fiel in mentales Loch nach Tokio 2020

Zeitweise war es nämlich nicht abzusehen, dass Wagner überhaupt zurück auf die Matte kommt. Denn nach der anfänglichen Freude über Bronze in Tokio fiel die damals 25-Jährige in eine Sinnkrise. Denn eigentlich hatte sie damit ihre großen Ziele, die sie seit sie 2004 mit dem Sport begann hegte, schon erreicht.

„Ich hab’ wirklich überlegt auch aufzuhören, weil ich gedacht hab’ ‘Wenn das jetzt das Ergebnis von dem Erfolg ist, den ich hatte, dann möchte ich den nicht’”, erklärte sie im Sporthile Podcast.

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Wagner sprach mit Olympics.com offen darüber, was ihr geholfen hat.

Erst nach den Spielen merkte Wagner rückblickend wie mental und körperlich erschöpfend die vergangenen Trainings- und Wettkampfjahre waren. Sie fühlte sich antriebslos, verlor regelrecht an Lebensfreue und Lust auf jegliches (Reha-)Training, außerdem weinte sie viel, ohne einen greifbaren Grund dafür zu wissen. Ihr wurde schnell klar, dass sie professionelle mentale Unterstützung benötigte.

„Im Endeffekt habe ich einfach nur versucht mich zu finden. Ich glaube, ich musste einfach erst einmal realisieren, wo stehe ich eigentlich gerade? Was will ich, wo befinde ich mich? Mache ich weiter? Was sind meine neuen Ziele?“, sagte Wagner Olympics.com.

„Mich hat’s jetzt im Leistungssport erwischt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es jemanden im Arbeitsleben erwischt ist genauso hoch”, sagte sie im YouTube-Podcast von Gio’s Randori.

Wagners Reise zurück an die Judo-Spitze

Gerne hätte sie im Vorfeld „schöne Termine regelmäßig in den Kalendar gelegt.” Deshalb steht nach Paris reisen auf dem Programm.

Nach Tokio versuchte die Sportsoldatin eine tägliche Routine zu schaffen, für die Zukunft zu planen und organisierte Termine und Treffen mit Freunden.

„Schritt für Schritt kam die Freude am Sport zurück, dabei hatte ich am Anfang noch sehr mit meiner Motivation zu kämpfen“, sagte Wagner. Sie setzte sich neue Trainingsziele und meldete sich für die ersten Wettkämpfe wieder an, auch wenn sie noch nicht wieder in ihrer Bestform war. Wagner merkte, dass die vielen Veränderungen in ihrem Alltag sich positiv auf ihre Stimmung und ihre sportliche Leistung auswirkten.

Goldtraum für Paris 2024

Sie ist jetzt wieder da wo sie sich 2021 befand und geht als Weltmeisterin zu den Olympischen Spielen in Paris. „Die wichtigsten und größten Erfolge sind […] meine beiden WM-Titel. Nicht zuletzt deshalb, weil ich damit beide Male mein Ticket zu den Spielen gelöst habe.“

Auch die Motivation ist zurückgekehrt, denn einen Sport-Traum hat sie noch: „Ich habe noch dieses Ziel von Olympiagold. Ich möchte noch einmal zu den Spielen und ich möchte es noch einmal erleben.”

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